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… ja eigentlich. Eigentlich wollte ich mich mit einem Blogpost über diesen komplett verrückten, lustigen, ereignisreichen und tollen Sommer nach meiner Zwangspause hier zurückmelden. Über Abschlussarbeiten berichten, die ich mit Fingerspitzen getippt habe, weil es hier so heiß war, dass mein Laptop aus Gründen der Überhitzung immer kurz vorm Runterfahren war. Über kaputtgetanzte Schuhe und spaßige Abende mit Freunden.

Aber zu lachen ist mir momentan nicht zumute, jedenfalls nicht wenn ich den Fernseher oder das Radio einschalte oder online gehe. Die Welt steht Kopf und jeden Tag stehen neue Meldungen über gekenterte, vollkommen überladene Flüchtlingsboote, dramatische Funde – wie jetzt der Lastwagen mit 71 qualvoll gestorbenen Menschen – oder zu allem Überfluss auch noch brennende Flüchtlingsheime und Demonstrationen gegen die „Eindringlinge“ in den Schlagzeilen.
Neulich habe ich in den Nachrichten Interview mit einem jungen Paar aus Heidenau gesehen. Danach hätte ich dem jungen Herren am liebsten durch den Fernseher durch einige Fragen gestellt, weil ich das was er dort von sich gab beim besten Willen nicht verstanden habe. Er meinte zur momentanen Lage in Heidenau, dass er es ja auch verstehen könne, dass Demonstrationen stattfinden, weil er es nicht versteht, dass es den Flüchtlingen in den Heimen gut geht und unsereins mit seinen Geldproblemen vom Staat alleine gelassen wird. Den Flüchtlingen geht es gut? Ich weiß nicht, wie man auf die Idee kommt so etwas zu sagen. Ich möchte nicht wissen, wie viele von den Menschen, die ihre Heimat verlassen haben und nur noch ein Hemd, eine Hose und ein paar Schuhe und im besten Fall ein Handy besitzen, um den Kontakt zu der verstreuten Familie nicht zu verlieren, schon gesehen haben, wie genau diese erschossen oder vergewaltigt wurde, ertrunken oder verhungert ist. Auch stelle ich es mir furchtbar vor, meine Heimat verlassen zu müssen, weil ich einfach nicht mehr sicher bin, Haus, Hof, Erinnerungen an schöne Momente hinter mir zu lassen und den auf Weg ins Unbestimmte zu starten, nicht zu wissen ob alle meine lieben Menschen den Weg in dieses ungewisse Ziel schaffen. Kein Geld der Welt kann solche Erlebnisse ungeschehen machen und in Luft auflösen, damit muss jeder alleine fertig werden.
Selbstverständlich dürfen auch Ängste unsererseits entstehen, jedoch müssen diese in Relation gesetzt werden zu Ängsten, die die meisten in unserem Land nicht mehr kennen, da die Generation der Weltkriege mehr und mehr ausstirbt.
Ich verstehe den Hass nicht und noch weniger, wie damit hierzulande umgegangen wird. Nicht im Fokus stehen jedoch die freiwilligen Helfer, die ihr Bestes geben und versuchen, mit all ihren Möglichkeiten alle Kräfte zu mobilisieren und den Menschen, die hier ankommen, die Zeit bis zum nächsten Schritt erträglicher zu machen.
Wir befinden uns in kritischen Zeiten, in denen Anfeindungen gegenüber Flüchtlingen und Ausländern wieder mehr an der Tagesordnung stehen, als es sich eingestanden werden möchte. Umso wichtiger ist es, dass die Gegenstimmen immer lauter werden! An alle Zweifler: Macht die Augen auf und schaltet euer Hirn ein! Es wird Zeit.

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